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Herbert Fandel weilte am 13. Juni 2012 im Schweinfurter Konferenzzentrum. Der 48-Jährige referierte vor geladenen Partnern und Geschäftskunden der Stadtwerke Schweinfurt zunächst über "Entscheidungen unter Druck" und unterhielt dann beim Public Viewing vor und in der Halbzeitpause der Partie Deutschland - Niederlande die Besucher mit interessanten Interviews.
Fandel war bis 2009 Fußball-Schiedsrichter, leitete als deutscher Vertreter bei der letzten Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz u.a. das Viertelfinale zwischen Italien und Spanien sowie 2007 das Finale der Champions League zwischen dem AC Mailand und den FC Liverpool.
Heute ist der hauptberufliche Konzert-Pianist und mehrfache Schiedsrichter des Jahres in erster Linie Referent und Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission. "Akzeptanz geht nur über Qualität", weiß er und erzählte in Schweinfurt, immer auch vergleichend mit dem Berufsalltag, dass ein Fußball-Schiedsrichter ohne Grundkompetenz, Erfahrung und Persönlichkeit keine Karriere machen kann.
Von zahlreichen prägenden Erlebnissen konnte Fandel berichten, der im Jahr 1990 doch tatsächlich auch mal in Schweinfurt aktiv war: Als Linienrichter hatte er einen Einsatz beim 0:1 der Schnüdel gegen Schalke 04 vor 12.000 Zuschauern. Damals pfiff Hans-Peter Dellwing aus Trier die Partie. Ein noch unbekannter Jens Lehmann hütete das Tor der Schalker. Herbert Fandel kann sich noch gut daran erinnern, viel mehr aber an beispielsweise folgendes Spiel: youtube zeigt heute noch die Szene. 2007 leitete er das EM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und Schweden in Kopenhagen. "Das war brisant, der Erste spielte gegen den Zweiten. Ich wurde als erfahrener Mann geschickt, um die Balance im Spiel zu halten." 3:0 stand es zur Pause für Schweden, doch das Match drehte sich. 3:3 hieß es kurz vor dem Ende. "Die Hütte kochte", weiß Fandel noch zu genau.
Als er sich nach "einem wunderbaren Spiel" schon auf die dritte Halbzeit freute, "da rappelte am Arm mein Sensor". Sein Assistent Volker Wezel sendete ihm ein Signal. "Da ist was passiert", ahnte Fandel, der zum Linienrichter lief. Und der signalisierte ihm, dass Christian Poulsen im eigenen Strafraum Markus Rosenberg niederschlug. "Wir haben noch eine halbe Minute....", wollte Fandel das nicht wahrhaben. "Was kann ich dafür?", fragte Wezel. Der Schiri gab dem Dänen Poulsen Rot, entschied auf Elfmeter für Schweden - und musste völlig überrascht registrieren, wie plötzlich ein dänischer Fan aufs Spielfeld lief und Fandel leicht ins Gesicht schlug. Der Schiedsrichter brach deshalb das Spiel ab, das die UEFA schließlich mit einem Sieg für die Schweden wertete. "Seitdem war ich nicht mehr in Dänemark", lacht Fandel heute - wohl wissen, dass er genau richtig entschieden hatte.
"Wenn man falsche Entscheidungen zurücknimmt, gewinnt man zusätzlich an Akzeptanz!" Das sagt Fandel genauso wie: "Man kann ein Fußballspiel nicht alleine mit Grundkompetenzen leiten!" Oder: "Man darf bei allen Bemühungen auch Fehler machen!"
Einen ausführlichen Bericht und weitere Fotos veröffentlicht das nächste SWJournal der Stadtwerke Schweinfurt in der Ausgabe 03/12, die Ende August erscheint.
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